Die
Ergonomie (<griech.> von Ergon = Kraft, Arbeit; Nomos = Regel, Gesetz)
ist eine interdisziplinäre Fachrichtung, in deren Mittelpunkt die
Analyse der menschlichen Leistungsfähigkeit und die Optimierung seiner
Arbeitstätigkeit steht. Die Egonomie untersucht das Leistungsvermögen
des arbeitenden Menschen, um daraus Schlussfolgerungen für eine menschengerechte
Technik- und Arbeitsgestaltung abzuleiten. Ergonomische Gestaltungslösungen
verfolgen das Ziel, die Sicherheit eines Gesamtsystems zu erhöhen.
Sie sichern die Lösbarkeit der Aufgaben, minimieren oder eliminieren
Gefährdungen für den Menschen und reduzieren die physischen und
psychischen Belastungen. Die Normierung von Arbeitsabläufen berücksichtigt
menschliche Faktoren wie das Alter und die Leistungskurve über den
Tag.
In der Arbeitsgestaltung geht es auch darum, persönlichkeitsfördernde
Aspekte zu erzielen und Leistungsreserven zu erschließen. Die interdisziplinäre
Struktur der Ergonomie und ihr Anspruch führen zu einer Aufgliederung
in die Bereiche: Mensch-Maschine • Arbeitsumwelt • Mensch-Mensch.
Der Bereich Mensch-Maschine ist ein traditionelles Kerngebiet
der Ergonomie. Sie umfasst auch Problemstellungen der Handhabbarkeit und
das Verständniss für den Umgang mit Anlagen und mit Maschinen
und Produkten. Zur Arbeitsumwelt gehören Klima, Beleuchtung, Lärm,
Schwingungen, Strahlung und Stoffe.
Psychologisch, soziologische Fragen, wie die der Beziehungen
in bzw. zwischen Arbeitsgruppen, werden in der Ergonomie mit einer hohen
Aufmerksamkeit betrachtet. Der Rückgang der körperlichen Belastungen
läßt größere Einsparpotentiale deutlich werden. Sichtbar
wird dies durch den weitestgehenden Wegfall klassischer Belastungen.
Eine dem Menschen gerecht werdende Arbeitsgestaltung
ist grundsätzlich als wirtschaftlich anzusehen. Durch Steigerung der
Produktivität, der Motivation steigern diese die Wettbewerbsstärke
eines Unternehmens. Wesentliche ökonomischen Potentiale liegen in
einer nach vorwärts gerichteten Sichtweise. Die damit einhergehende
Reduzierung gesundheitlicher Probleme der Mitarbeiterinnen und der Mitarbeiter
ist ein positiver Nebeneffekt. Für den Erfolg ist allerdings die Mitwirkung
der Beschäftigten erforderlich, nicht mitgetragene Lösungen können
mehr Schaden als Nutzen bewirken.
Ergonomie senkt Betriebskosten - leider ist es nur selten
in einfacher Form möglich, den positiven Nutzen von Maßnahmen
nachzuweisen. Durch die Zielrichtung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes,
bestimmte Ereignisse gar nicht erst auftreten zu lassen, ist eine Bewertung
nach den üblichen Mustern nicht möglich. Erst die erweiterte
Wirtschaftlichkeitsrechnung mit einem systematischen Aufspüren von
Schwachstellen kann dann Motivation oder Zufriedenheit in der Beurteilung
von Investitionsalternativen berücksichtigen.
Zu möglichen Kosteneinsparungen gibt es zahlreiche
Untersuchungen. Im Durchschnitt gehen rund ein Drittel der Fehlzeiten von
Arbeitnehmern an Montageplätzen auf Ursachen im Berufsleben zurück.
Diese Ergebnisse beruhen auf umfangreichen Recherchen in fast allen Branchen.
Bei Arbeitsplätzen z.B., die durch ungünstiges
Heben, ständiges Bücken, zu tiefes Bücken, Drehbewegungen
der Wirbelsäule mit unsymmetrischer Belastung des Körpers oder
weites Vorbeugen gekennzeichnet sind, ist es realistisch anzusehen, dass
die Hälfte der Fehltage durch eben diese Belastungen entstehen. Rechnet
man für einen Fehltag mit 300,- Euro Kosten und für einen Hubwagen
mit 3.000,- Euro Kosten so wird deutlich, dass eine kurzfristige Amortisation
möglich ist, insbesondere wenn bei Schichtbetrieb dieses Gerät
von mehreren Mitarbeitern genutzt wird.
Müssen auch neue Maschinen oder Anlagen ergänzt
werden, um ein menschengerechtes Arbeiten zu ermöglichen, so kosten
entsprechende Ausrüstungen natürlich Geld. Leider wird in Verkaufsgesprächen
und auch Prospekten kaum oder gar nicht auf eine nachgewiesene Kosteneinsparung
durch die optimierte Arbeitsplatzausstattung eingegangen. Die Fragestellung
sollte also lauten, was kostet in der Folgezeit eine »nichtergonomische«
Anschaffung.
Ergonomie als reines Gestaltungsmerkmal beschränkt
sich häufig auf Maßzahlen und Normen für die Gestaltung;
räumliche Abmessungen, Bedienkräfte, Größe und Anordnung
von Bedienelementen. Ausgangspunkt des Gestaltungsprozesses ist die Untersuchung
der am jeweiligen Arbeitsplatz zu erfüllenden Aufgaben. Dazu gehören
die Eigenschaften, die Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Bedürfnisse
der Nutzer. Aus solchen Untersuchungen können dann erst menschbezogene
Gestaltungsanforderungen sinnvoll und dauerhaft abgeleitet werden. Selbst
große Konzerne mit strukturierten Arbeitsprozessen verfügen
nicht immer über die, für die Gestaltung von Arbeitsprozessen,
notwendigen Kompetenzen. Auch sie nehmen, was bei Kleinbetrieben allerdings
zwingend ist, Fremdleistungen in Anspruch.
Die Erfahrung zeigt, dass auch in Fällen ergonomischer
Gestaltung von Arbeitsplätzen noch Aufwendungen für Instruktion,
die Ausbildung und ähnliches erforderlich sind. Die Entwicklung sowie
die fundierte Gestaltung von Instruktionen und Bedienungsanleitungen, auch
nach psychologischen Erkenntnissen, zählt hierzu.
Der Beitrag der menschlichen Arbeit zum Gesamtergebnis
eines Unternehmens wird in der Gestaltung von Arbeitsprozessen häufig
unterschätzt. Insbesondere bei automatisierten Verfahren ist der Glaube
verbreitet, der Mensch werde nicht mehr benötigt. Da menschliche Arbeit
teuer ist, ist es notwendig, diese Ressource optimal einzusetzen. Das wiederum
ist nicht möglich, ohne die Belange der Beschäftigten zu berücksichtigen.
So wird die Förderung der menschlichen Arbeit durch Gestaltung zu
einem bedeutsamen Wettbewerbsfaktor.